Maibacher Schweiz (und Landkommunenhippies allgemein)

Nach zwei schönen Tagen im Taunus, mal mit Wolken

mal mit Sonne (für die ich ja, wenn sie scheint, glücklicherweise immer nur den Arm ausstrecken muss, oder drei Schritte gehen, um sie nah zu haben).

und immer mit spannender Lektüre, – 100 Seiten und 30km pro Tag ist die Devise – die ich meist frühmorgendlich mit 10 Seiten VWL beginne:

Dann den Tag über Geschichte, Politik, etwas Literatur (gerade nochmal: Ausweitung der Kampfzone! schreib ich noch was zu), aber auch ganz anderes, was bei mir in der Bücherkiste noch so rumfliegt (an dem Tag oben war es von Tom Hodgkinson: Leitfaden für faule Eltern, haha, viele lustige Ideen, aber nicht sehr stringent argumentiert), gespickt mit Sport, Gitarre, rumfahrn und Passanten-Gesprächen.

Durch einen solchen Passanten, der anhielt, weil er an den Details meines Bus-Ausbaus interessiert war (ich hab natürlich nichts verraten!), bin ich auf eine Gemeinschaft in der Nähe aufmerksam geworden, die sich „Maibacher Schweiz“ nennen, nach dem alten Hotel, was sie vor gut 13 Jahren günstig gekauft haben (Insolvenz-Auktion, hach, da freut sich der chronisch klamme Hippie).

Eigentlich wollt ich bloß mal vorbeischauen, fragen, wie die Gemeinschaft so läuft, und meinen Wasserkanister befüllen, aber ich war keine fünf Minuten vor Ort, da war schon beschlossen, dass ich ein paar Tage beim Ausbau eines Dachstuhls helfen würde. Also hab ich ordentlich mit Tauch-, Kapp- und Stichsäge herumgefuhrwerkt die letzten 2 Tage; wir ziehen einen Zwischenboden ein:

Das Haus war ja ein Hotel, sodass man praktischerweise gleich eine Großküche und sowohl viele kleinere Zimmer wie auch richtig große Räume für Gemeinschaftliches hat (ich hoffe, ich denk dran noch Bilder zu machen.) Der Garten (sieht man ja auch oben schon) ist auch herrlich, und die esoterisch-spirituelle Überzeugung der meisten Leute hier ist nicht zu übersehen, aber hübsch find ich:

Mir scheint, dass die meisten Gemeinschaften eher esoterisch als linksradikal sind – was sich anscheinend weitestgehend ausschließt (weil die Linken den Eso-Hokuspokus für konservativ und rückschrittlich halten). Gestern hab ich mir von einem Althippie-Freak (der aber, fairerweise muss ich das sagen, nur so locker an die Gemeinschaft angegliedert ist) zum Beispiel angehört, dass die Anti-Hitler-Koalition nur entstanden ist, weil die Welt Angst vor dem Hakenkreuz hatte (also nicht vor der faschistischen Ideologie). Ein ganz junger, etwas stolzer „doppelter Schulabbrecher“ hat mich überheblich in die Weisheit eingeweiht, dass Moral völlig überflüssig sei und dass der Mensch ohne Begriffe von Gut und Böse völlig automatisch, also ganz natürlich aus sich selbst heraus immer die Handlungen ausführen würde, die ihn und seine Mitmenschen glücklich machen würden.

Langfristig könnte ich das nicht. Also wenn man hier (oder an ähnlichem Ort) leben würde, müsste man sich den Quark ja doch ab und an anhören und gute Miene dazu machen, bloß keine scharfzüngigen Fragen stellen. Denn sonst würden die Leute mit den kreativ-irrationalen Weltbildern mir ja bald alle grollen; das kenn ich schon gut, viele sind schnell eingeschnappt, wenn’s ums liebgewonnene Eingemachte geht.

Und dann die ganze Energie, die man in die Gruppenprozesse stecken muss, damit es funktioniert. Die Leute sind alle so gezeichnet von ihren bisherigen Erfahrungen, sind zwar freundlich, meist offen und bemüht, aber eben auch oft egoistisch, teilweise unfähig andere Standpunkte zu verstehen und zu respektieren und, lustigerweise, auch gern mal arbeitsscheu (also außer nette, kreative Arbeiten, die machen sie gern, zumindest bis es langweilig oder körperlich anstrengend wird). Ich weiß, ich verallgemeinere zu schnell, aber die Beobachtungen und der intuitive Einblick, den ich durch die verschiedenen Gemeinschaften bisher bekommen habe, lassen mich bisher eher ein Loblied auf das traute Zusammenleben in der Kernfamilie anstimmen. haha

Also vielleicht in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Gemeinschaft, wo man immer reinschneien kann; oder halt auf nem Dorf oder in nem Stadtteil, wo einfach viele liebenswerte Menschen leben, mit denen man sich oft treffen kann.

Also überall!

Mal sehen, was noch kommt! 😉

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Visueller Nachschlag: Gemeinschaftsräume (Tür zu, Herz auf!), und das Dach, was wir abgedeckt haben:

 

Gern wär ich noch länger geblieben.

Aber der Herbst treibt mich weiter, die Taunushänge hinunter, nach Mainz!

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mehr Wendland

Nach Sammatz habe ich noch ein Zentrum der Anti-Atombewegung, den „Gasthof“ in Meuchefitz besucht, aber die Bewohnerin war wie der Kommunarde, den ich ein paar Häuser weiter antraf, typisch linksradikal abgeneigt, Fremden Auskünfte zu geben, oder überhaupt groß mit ihnen zu tun zu haben. Aber hübsch wohnen können sie:

(Die Bilder vom Gasthof, in dem sich jeden Donnerstag seit den achtziger Jahren die Anti-Atomkraft-Bewegung zum Essen trifft, find ich leider grad nicht.)

Danach war ich noch in Güstritz in einer kleinen Gemeinschaft (weniger Kommune, mehr Land-WG), die offen, freundlich und esoterisch waren. (Sie führten in den Augen der Meuchefitzer oder anderer Linksverbohrter sicher ein reaktionär-rechtes Wohlfühl-Landleben.) Bilder kommen noch. Hoff ich. (dass ich sie nicht verschlampt hab)

Dann auf nach Berlin!

Neues aus Sammatz (Anthro-Kommune im nördl Wendland)

Die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft in Sammatz (Nähe Hitzacker) hat mir so gut gefallen, dass ich gleich meine Schwester und die ganz Kleene mit angeschleppt habe. Also von Bergedorf aus:

…über die sonnigen Landstraßen links und rechts der Elbe:

(die kleene darf leider nicht von vorn gezeigt werden – vorbewusste persönlichkeitsrechte! wer weiß, ob sie das später so cool fänd, überall im netz rumzufahren – außer mit ihren neuen sonnenbrille, das ist erlaubt, puh!)

..in die anthroposophischen Gärten von Sammatz:

Schreiben über Sammatz werd ich jetzt nicht so viel, denn die letzten Tage war so viel los (Kommunen im Wendland, jetzt Berlin; kommt noch); und ich will mich nicht so lang mit bloggen aufhalten. 😉

Wer wohnt in Sammatz? 70 Erwachsene, 30 Kinder und noch etliche WorkAways (im Sommer wohl 50), also junge Leute, die für Kost und Logis ca. 6h am Tag arbeiten und ansonsten viel Spaß zusammen haben – alle, die ich gefragt haben, fanden es großartig dort. Außerdem wohnen noch 18 Kinder in einem Kinderheim für „Seelenpflege-Bedürftige“ dort – s.u.)

Wie sind die Leute so drauf? Freundlich! Das „Interesse am Menschen“ ist mir von Anfang an aufgefallen: wie offen und interessiert die Menschen dort sind!

Was machen die da? Sie arbeiten! Das gemeinsame Leben spielt sich eher im Arbeitsleben ab; gemeinsame Rituale (von allen) habe ich nicht ausmachen können (schade), aber die einzelnen Gruppen (die zB zusammenarbeiten oder in WGs zusammenwohnen – fast alle wohnen in WGs dort! Alte und Junge zusammen!), diese Gruppen besprechen wohl auch regelmäßig ihre persönlichen Befindlichkeiten zusammen.

Die Arbeit: die Leute arbeiten dort, wo sie möchten und je nachdem, wo gerade Leute gebraucht werden. Die Jobs wechseln auch, und man kann auch in einer Woche mal z.b. im Kinderheim und mal im Café arbeiten. Es gibt normale Arbeitsverträge, aber ob Arbeitnehmerrechte (Stundenlohn, Urlaub, etc.) alle eingehalten werden, bezweifel ich etwas, weil Arbeit eben auch soziale Verpflichtung dort ist. Genaueres zur Arbeit kann ich nur über die Jungs schreiben, die die Gartenanlagen kreieren, und sich viel um die Hoftiere (und Heizung, und Gartenpflege, und und…) kümmern, denn bei denen habe ich mitgemacht: sie arbeiten sehr viel, aber gerne. Mit Liebe zum Detail (perfektionistisch oft), ohne Musik (wäre Ablenkung!), mit Engagement und der Überzeugung, dass ihre Arbeit wichtig und gut ist. Aber ganz dahinter gekommen, warum sie täglich um sechs Uhr anfangen und (abgesehen von einigen Pausen natürlich, das können sie auch relativ frei bestimmen, scheint mir) bis 10 oder 11 durchziehen, bin ich nicht. Am Wochenende etwas weniger, aber richtig chillen ist wohl nicht so vorgesehen.

die Gärten: herrlich! (wie gesagt, perfekt, und wohl nach Steiner’schen Vorstellungen angelegt)

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Wirtschaft: Wie funktioniert es finanziell? Fast alle Erwachsene arbeiten im Projekt selbst, also wie kommen die Devisen rein (für Baumaterial, Steuern, Krankenversicherung, denn das fließt ja alles ab)? Sicher wird das Kinderheim einiges abwerfen –  dort arbeiten auch sehr viele der Erwachsenen, zumindest ein paar Schichten pro Woche. Außerdem „exportieren“ sie sicher auch Lebensmittel aus der Landwirtschaft. Letztere ist aber vor allem auch für den Eigenbedarf, den man täglich von 15.30 bis 19.30 im Hofladen decken kann. (Mittagessen wird von den meisten gemeinsam eingenommen.)

Landwirtschaft: Der Anspruch ist, dass alle früher typischen Hoftiere gehalten werden. Die Ställe und die Tiere sehen fabelhaft aus, hier ein paar Eindrücke:

Was passiert, wenn die Leute mal unterschiedlicher Meinung sind? Wie Konflikte geregelt werden, habe ich nicht wirklich herausfinden können (ich weiß, ist eigentlich zentral!). Mir scheint, dass letztendlich schon viel (alles Wesentliche) entschieden wird von einem alten Herrn, der seit Beginn der Gemeinschaft (über 30 Jahre) dabei ist und wohl eine anthroposophische Autorität ist (der kleine Verlag der Gemeinschaft bringt hauptsächlich seine Bücher heraus). Das ist also der „Guru“, den ich erwähnt hatte. Mir ist noch nicht ganz klar, wie genau die Entscheidungen getroffen werden, aber die Leute scheinen zumindest happy damit, wie es läuft (einer meinte auch ganz offen, dass es in einer großen Gemeinschaft wie dieser, einfach gut sei, wenn einer das Ruder in der Hand behalte und entscheide), also nix Basisdemokratie.

Abends dann die beiden Mädels zum Zug gebracht, und irgendwo an einen Feldrand gestellt:

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Sammatz war schön, gern wäre ich länger dort geblieben. Aber der Herbst naht, ich muss langsam Richtung Berlin weiter!

„Sammatzer Arbeits- und Lebensgemeinschaft“

Wow, ich glaube ich habe eine Sekte gefunden! Eine richtige Sekte mit Religion, selbstherrlichem Guru und Arbeitssklaven! Yay!

Ich werde noch ein paar Tage brauchen die Sache richtig zu erforschen. Dann erklär ich’s euch! (Wenn sie mich bis dahin nicht eingefangen und bekehrt haben! haha).

Erstmal ein typisches Haus: meist alte Bauernhäuser, perfekt saniert, mit Solarpaneln und beeindruckenden Gärten rundherum:

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Gärten wohin man blickt; täglich müssen zig Hände nur am Gartenpflegen sein:

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Soviel Sonne und Blumen machen froh und dösig im kopp:img_5549

habe mich dann gleich zum subotnik gemeldet: ein see wird angelegt, die parklandschaft zu perfektionieren:

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Gerade bauen wir ein Mäuerchen:

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(Steine drauffriemeln find ich okay, aber Betonmischen ist geiler!)

Macht’s gut! Bis bald!

jf

Demeter-Hof Tangsehl

Südöstlich von Lüneburg am Feld übernachtet.Sonnenaufgang vom Bett aus:

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(die Sonne war viel größer! kann man nicht fotografieren!)

(und diese kühle Morgenluft durchs Klappfenster! hach!)

ein paar Stunden später noch am selben ort:img_5474

Mittags dann zum Demeter-Hof nach Tangsehl (bei Dannenberg, nordwestliches Wendland), und gleich mit eingestiegen: Apfelbäumchen rütteln, Cherry-Tomaten pflücken (leckaaaah!) und Bohnen ernten, behörnte Kühe kuscheln, und eine Zehlendorfer Waldorf-Schulklasse beim Landwirtschaftspraktikum beobachten:

Die sechs Leute, die den Hof zusammen als CSA bewirtschaften, sind alle Anfang dreißig und haben sich in Witzenhausen beim Ökolandbau-Studium getroffen. Sie könnten aber offener sein (anscheinend sie sind leicht überfordert gewesen mit der Anleitung der Schulklasse, was auch nicht so einfach ist, wenn Liam dauernd mit Tomaten und Mohammed mit Äpfeln dazwischenwirft), also am nächsten Tag weiter.