Wie man heutzutage Millionär wird

Seit gestern morgen aus Grenoble fort. Zum ersten Mal kein Ziel mehr vor mir. Der Tag lässt sich nun nicht mehr so leicht mit scheinbar produktivem nach Süden Fahren oder sozial(erwünscht)er Unterhaltung füllen. Ich bin ganz bei mir, auf mich und meine Pläne und Überlegungen zurückgeworfen, so wie ich es wollte. Gestern und heute also gelesen, und gitarre und französisch gelernt.

Ich versuche mal eben drei Lektüren zusammenzuführen, mal sehen, ob das klappt: Bernt Engelmann beschreibt in ¨Meine Freunde die Millionäre¨ die Lebensgeschichten reicher Leute. Vom Aufstieg Auto-Beckers und dem Proletarier-turned-hanseatischer Reeder Schliecker hab ich mitgenommen, dass man schnell zu viel Geld nur kommt, wenn man fette Geschäfte macht, und das heißt Handel betreibt. Sonst können die Gewinnmargen nicht ausreichen. Und der Handel darf anderen nicht möglich sein, entweder weil  sie die Idee noch nicht haben, oder nicht die Möglichkeiten (Unternehmesgröße, Marktkenntnisse, Chuzpe, Kontakte).

Wenn man aber partout etwas produzieren will (also nicht etwas billig einkaufen und teuer verkaufen ohne eigentliche Gebrauchswertsteigerung), sind andere Möglichkeiten für satte Gewinne: Patente oder Produkte mit großen Skalenerträgen (d.h. dass die Gewinne pro Einheit steigen, wenn mehr produziert wird; zB bei Software, einmal produziert kann man sie beliebig oft verkaufen, fast ohne zusatzkosten). Im letzteren Fall muss man first-mover (erster!) oder einfach der dickste Hecht im Teich sein, um dann die anderen (weil man ja billiger sein kann als sie – Skalenerträge!) langsam niederringen zu können. Das kann man z.B. auch erreichen, indem man ein bereits bewährtes Produkt in einem neuen Markt platziert. Und da sind wir bei Attacs Basistext ¨Die Freihandelsfalle¨: Genau diese Möglichkeiten bietet TTIP (aber noch viel mehr Abkommen mit Entwicklungsländern). Nota bene: Das sagt noch nichts über den Wert dieses Handelsabkommens für die noch nicht Raffgier-Begeisterten aus.

Ein Essay in Chomskys Masters of Mankind beschreibt u.a. die US-Ökonomie als ¨government-subsidized system of privat profit generation¨ (oÄ), denn zentrale Wirtschaftssektoren wurden und werden durch staatliche (Forschungs-)Subventionen und Großaufträge gefördert. In Kombination mit Patenten und hohen Skalenerträgen sind die begünstigten Konzerne weltweit unschlagbar. Ich glaube nicht, dass die EU in dem Spiel ähnlich gut ist wie die USA. Na denn viel Spaß mit TTIP.

Es gibt noch viele weitere Verbindungen zu Chomskys Essays (Knowledge and Power, Consent without Consent, i dem oben genannten Buch), die beide hervorragend sind, hier noch nur noch eine: Madison hat die Verfassung der USA erheblich mitbestimmt. Ihm war wie vielen anderen Einflussreichen damals vor allem der Schutz vor der dummen, besitzlosen Masse wichtig, und zwar der Schutz des Eigentums der Besitzenden. Chomskys pardonniert ihn teilweise als einen Vertreter einer vorkapitalistischen, patronisierenden aber benevolenten Elite. Dass der Staat schon bald von denjenigen, die Adam Smith als die ¨masters of mandkind¨, deren ¨niederträchtige Maxime¨ heiße ¨all for us and nothing for other people¨, gekapert bzw regiert würde, hatte er nicht voraus- aber bald eingesehen. Auch heute noch glauben manche TEchnokraten sie könnten über die (Reigerungs-)politik die Wirtschaft zähmen, aber gerade bei TTIP zeigt sich heute gilt mehr denn je: ¨Politics is the shadow cast on society by big business.¨ (John Dewey)

Global players, das Büffet ist eröffnet! Ganz Europa will von euch filetiert werden!

Ganz Europa?  Oh, nein, nicht ganz Europa: eine kleine widerspenstige Nation, irgendwo nördlich von Paris, hat sich nicht einlullen lassen.

Debout, Wallonie!

Advertisements

Ausweitung der Kampfzone

Ich wollte das Buch immer noch mal lesen, weil es mich doch ziemlich beeindruckt hatte. Und es ist so schön kurz! (Wenig beschriebene 170 Seiten.)

Themen

Houellebecq behandelt in „Ausweitung der Kampfzone“ vor allem die sexuelle Attraktion und ihre Auswirkungen; außerdem das Verrücktwerden und verschiedene charakterliche Untiefen real existierender Menschen (mangelndes Mitgefühl etc.), auch klar gesellschaftlich bedingte: soziale Atomisierung, Vereinsamung etc. Außerdem erhellt die Erzählweise, dass der Gegensatz zwischen einer engen, teilnehmenden und einer distanzierten, beobachtenden Beziehung zur Welt unvereinbar ist: Der Erzähler erkennt die Welt, indem er sie seziert. Die Welt ist tot für ihn. Er kann nicht teilnehmen. Jetzt zum Hauptthema:

Sexuelle Attraktion – erbarmungslose Konkurrenz

Die Sexualität ist ein System sozialer Hierarchie. (Seite 1oo). Damit läuft sie parallel unserem heutigen marktwirtschaftlichen System, und ähnelt ihm. Da beide System weitgehend liberalisiert sind, entstehen mehr und mehr (extreme) Gewinner und (absolute) Verlierer, auf ökonomischer wie auf sexueller Ebene: Diejenigen, die nachgefragte Eigenschaften (Ausbildung, bestimmte Fähigkeiten vs. Körper, bestimmte Charakterzüge) besitzen, gewinnen, und die anderen verlieren. (Seite 108)

lutte

Houellebecq legt durch Beispiele und theoretische Überlegungen nah, dass dies für die Verlierer ein lebenslanges Leiden ist. Die weniger attraktiven Menschen würden es zwar immer wieder versuchen (zumindest einige geben nicht schnell auf), aber sie hätte trotzdem kaum Erfolgsaussichten. Das führe langsam zu Verbitterung.

Zwei Thesen dazu: 1. Die Verbitterung stellt sich nicht ein, bei denen die sich begnügen mit dem, was sie haben. Nur die, deren Sozialisation ihnen den Anspruch auf einen (relativ zu anderen, nicht bloß absolut) attraktiven Sexualpartner vermittelt hat, grämen sich und verbittern. 2. Man kann sich auch auf andere Vergnügungen / Wettkämpfe (so man solche überhaupt braucht) spezialisieren (Sport, Familie, Karriere, Hobbies), und das relative Scheitern auf dem Sexualmarkt weitgehend ausblenden/übertünchen.

Was haltet ihr davon? Von dem Buch allgemein? Von Houellebecq?

Happy Eighth of October

JF

PS: In der letzten Lebensgemeinschaft im Taunus (Maibacher Schweiz) haben mir zwei Leute von ihre Erfahrungen mit freier Liebe berichtet. Eher desaströs, scheint mir, trotz eifrigem, langjährigem Bemühen. Einer hat lange in der berühmten Kommune von Otto Muehl gelebt, und meinte, er wisse wirklich nicht, ob er schon jemals eine Person getroffen habe, die er als langfristig glücklich mit der freien Liebe erlebt habe. Na jedenfalls gab es in dieser Kommune eine offizielle soziale Hierarchie (à la Alpha, Beta, Gamma-Personen), aber ich weiß nicht, inwieweit die von der sexuellen Attraktivität abhing. (Ich vermute, dass es eher um allgemeine (verbale) Dominanz und Herrschaftswissen ging, aber kann schon sein, dass Attraktivität auch reinspielte). Weiß da wer was?

Leitfaden für faule Eltern

Tom Hodgkinson ist der König der Faulenzer. Seine Zeitschrift „The Idler“ (der Müßiggänger) widmet sich ausschließlich der Kunst des Faul-seins.

Hier seine Ansichten zur glücklichmachenden Kindererziehung!   Aus seinem „Leitfaden für faule Eltern“ (The Idle Parent). (Das Buch hatte in Köln jemand an den Gehweg gestellt, zum Mitnehmen; und ich Flaneur und Müßiggänger konnte natürlich nicht umhin es nach einer machbaren Zukunft für mich, mit Kindern und anderen Dingen, zu durchstöbern.)

Was schreibt er?

Er muss natürlich die These verteidigen, dass man auch mit wenig Arbeit, seine Kinder gut erziehen kann, bzw. dass es für die Kinder gut/besser ist, wenn man sich nicht zu viel um sie kümmert. Dementsprechend seine Tipps und Thesen:

  • Lasst die Kinder in Ruhe! Sie kommen selbst zurecht! (Wenn ihr am Wochenende einfach im Bett liegen bleibt, werden sie schon alleine aufstehen und sich irgendwann Cornflakes holen. Die halten vom Verhungern nichts!) reading-kids-play
  • Nehmt ihnen keine Arbeit ab, sodass sie so früh so selbständig wie möglich werden. -> weniger Arbeit für die Eltern UND weniger quengeln (denn quengeln ist Ausdruck von Hilflosigkeit).
  • Trefft euch mit anderen Familien (und lasst die Kinder in Ruhe, klar). Guckt nicht den Kindern zu, sondern amüsiert euch selbst: „Meine Idealvorstellung von Kindererziehung ist eine große Wiese. Auf der einen Seite der Wiese ein Festzelt mit Bar, an der das heimische Ale ausgeschenkt wird. Dort versammeln sich die Eltern. Auf der anderen Seite der Wiese, ein gutes Stück entfernt, spielen die Kinder. Ich gehe ihnen nicht auf die Nerven, und sie gehen mir nicht auf die Nerven. Geben Sie ihnen so viel Freiheit wie möglich.“

Sein Ziel sind starke, freie & freudvolle Kinder (nicht unbedingt ständig glückliche), und  gleichzeitig Erwachsene, die froh sind, weil sie genug Zeit und Energiereserven zum fröhlich sein haben.

Allerdings hatte ich den Eindruck, dass er im Grunde doch ziemlich viel Zeit mit seinen Kindern verbringt; und wie soll man sie verbringen mit ihnen? Natürlich ohne viel vorgefertigtes Spielzeug, sondern kreativ und möglichst vom Sofa aus (bloß keine Familienausflüge, purer Stress! Wenn schon, dann nicht alle zusammen! hahaha)

on-the-couch

Wie schreibt er?

Hodgkinson gibt Thesen zur Kindererziehung von Locke, Rousseau, A.S.Neill wieder und unterfüttert sie mit Beispielen aus seinem Familienleben (er hat drei Kinder). Ideenreich und unterhaltsam schreibt er, aber auch etwas quasselig und selbstzufrieden (manchmal auch etwas unangenehm belehrend). Dabei ist ihm selbst sicher klar, dass er seine Themen sehr vereinfacht – er überzeugt mich nicht durch Argumente, aber über Manches lohnt das Nachdenken. Zum Beispiel:

Noch ein paar lustige Idler-Einfälle

Er hält Alkohol für hilfreich in der Kindererziehung. Also nicht direkt für die Kinder jetzt. Aber da Alkohol kindlich mache, helfe er den Eltern ihre Kinder zu verstehen: Wenn man leicht einen im Tee hat, lebt man mehr im Jetzt, ist weniger gehemmt und mehr scheint erlaubt im Leben – man vergisst das erwachsen sein.

Ein Schlafzimmer für alle (Dann vielleicht zu zweit rausschleichen, wenn man ungestört sein will).

Statt ganze Geschichten vorzulesen, Teile weglassen und nacherzählen lassen von den Kids.

Mehr über den Autor

ukulele

In einem Interview mit der SZ räumt Hodgkinson ein, dass er  trotz seiner Liebe zum Müßiggang recht viel arbeiten muss. And in the Telegraph you can read his description of a (typical?) week of his, juggling his jobs, kids, music and drinks, and also a shortened chapter/column of „The Idle Parent“.

Have a nice day everyone,

f

auf die A4

in lingenau oder so bei dessau hatte ich gepennt. morgens erstmal VWL 10 Seiten, dann kurz erschreckt über die Eicheln, die aus 10 Meter Höhe laut aufs Busdach aufschlugen, also schnell weggefahren da (und den Prozessionsspinner nochmal von der Schippe gesprungen). Am neblig-nassen Feld angekommen,

gefrühstückt und „Von Marx zur Sowjetideologie“, und daraus hier Nerdiges aus dem dem Abschnitt zu Mao Zedongs Verdiensten um die kommunistische Theorie:

Es war Komintern-Linie, offiziell mit der Kuomintang (also den bürgerlich-nationalen) zusammenzuarbeiten. Es wurde sogar forciert, dass Kommunisten gleichzeitig in die KMT eintraten etc. Bis Sun Yatsen von Chiang Kaishek abgelöst wurde, und es aus mit dem Burgfrieden war (1927). (Bis zum Einmarsch der Japaner 1937, da hat man wieder zusammengearbeitet dann, bis 1945, dann wieder Bürgerrkrieg).

Mao hat Marx liquidiert! Nämlich: Er meinte man könne jeden umerziehen, und hat allgemein die ökonomischen Bedingungen nicht so wichtig genommen, sondern idealistisch angenommen, dass es bloß auf die richtige Einstellung zur Revolution ankomme (egal ob zur bürgerlichen (China war ja noch feudal!), oder dann zur sozialistischen, – daher auch sein Konzept der permanenten Revolution bzw. dann die Kulturrevolution). So konnte er dann die Leute auch leicht in Volk und Volksfeinde unterteilen, ohne sich um umständliche materialistische Schichten etc. kümmern zu müssen.

Nachmittags dann Strecke gemacht (nachdem ich einen Plan über die Dörfer zu fahren wegen miesem Wetter verworfen hatte, – denn das wäre Sangershausen etc. auch nicht gerecht geworden, es nur im Regen zu begutachten).

Das berühmte Windanlagentodesfeld bei Leipzig:

img_5962

Wenn man mal von der Autobahn abkommt, ist wenig los, außer aufs Sportplatz, und da auch nur die Spieler, bei dem Himmel. Hier ihre vielen Karren:

 

Immer wieder beliebt bei mir: Jenas Baublöcke für Leute mit Fernweh:

 

Gruß aus A4-Nähe!

jf

 

 

Kriegsdienst verweigern – wie das früher war

„Erzähl mal, Opa, wie das war, als du zum Militär musstest und dich geweigert hast.“

Das war ganz amüsant, Kleiner, wie ein Spiel eigentlich: Man stellt einen Antrag, beachtet ein paar Fristen, und beantwortet viele knifflige Fragen, ungefähr so:

img_5586
Aus: Handbuch für Kriegsdiensverweigerer, Winfried Schwamborn, 8. Auflage, 1982 (wie auch die anderen Grafiken und viele der Infos)

Und dann muss man doch in die Kaserne.

Und auch wenn man’s am Ende schafft, also wie die meisten nur ein oder zweimal abgelehnt wird, und dann vorm Verwaltungsgericht anerkannt wird, sind die Fragerunden vor Prüfungsausschuss und Prüfungskammer auch kein Kaffeekränzchen, sondern fühlen sich, wenn man Pech hat, eher so an:

verhor-pa

Und die Fragen haben es in sich (denkt man zumindest, und schwitzt). Am berühmtesten ist die Frage danach geworden, was man machen würde, wenn man „nachts im Park seine Freundin nur durch Gewaltanwendung vor einer Vergewaltigung schützen“ könnte, die zum Standardrepertoire der Gewissensexaminierer wurde. Ich dachte immer, man müsste da den Jesus mimen , aber das stimmt gar nicht: Man darf in dem Fall Gewalt sogar abstrakt befürworten, und die „Gewissensprüfer“ dürfen keine Parallele zur Gewalt zwischen Staaten ziehen. Warum schreibe ich nicht in der Vergangenheit sondern in der Gegenwart? Es gibt doch nicht mal mehr die Wehrpflicht, und außerdem muss man doch schon seit den 80ern meist nur eine ausführliche, schriftliche Begründung schreiben, und kommt um die mündlichen Verhandlungen rum. Und wie sieht es mit denen aus, die schon Soldaten sind? Deren Gewissen wird immer noch ausgiebig in Verhandlungen geprüft.verhor (Ob dabei die Anerkennungsquote langfristig sinkt (wie es den Anschein hat), hat die LINKE hier nachgefragt, aber ich habe die Antwort der B-Regierung noch nicht gefunden). Durch die neue Ausrichtung der Bundeswehr (Auslandseinsätze etc.) gibt es schließlich immer mehr gute Gründe ein schlechtes Gewissen zu haben, und durch den Wegfall der Wehrpflicht und die offensichtlichen Nachwuchsprobleme (siehe Bundeswehr-Werbekampagnen, besonders süß: Adventure-Camp auf Sardinien für jugendliche Bravo-Leser) haben die Gewissensbeißer auch gute Gründe, nicht so viele Soldaten ungeschoren davonkommen zu lassen.

Diejenigen, die sich kraft ihres Amtes anmaßen das Gewissen anderer Menschen beurteilen zu können, und ihnen das Grundrecht auf Verweigerung des Kriegsdienstes praktisch abzuerkennen, sollten sich anscheinend vor einigen KDV in Acht nehmen:

kdv-quiz

Aber kurz zurück in die Geschichte der KDV:

img_5584

Die Zahl der Anträge ist seit Beginn der Wehrpflicht stetig gestiegen (siehe Bild links und Wikipedia), aber 1978 gibt es eine Delle:

War das der deutsche Herbst? Dann hat er ja prima funktioniert. Das Volk stellt sich hinter seinen Staat.

Vielleicht hat es eher mit der wiedereingeführte Gewissensprüfung zu tun, die nämlich für kurze Zeit abgeschafft gewesen war, bis einige Bundesländer dagegen klagten:

gewissen-neu-definieren
hahaha

Trotzdem: In nur 15 Jahren eine halbe Million Männer, die Wolfgang Borcherts „Nein“ gesagt haben.

Wobei: Im Verteidigungsfall werden auch die Zivis einberufen. Zwar müssten sie nicht schießen, aber Borcherts „Da gibt es nur eins! – Sage Nein!“ richtet sich ja auch an alle Nicht-direkt-Kämpfenden, den-Krieg-Unterstützenden.

Da hilft nur die sog. Totalverweigerung, was man auch zu Wehrdienstzeiten schon machen konnte, mit mäßig unangenehmen Konsequenzen (ein paar Woche Arrest/Haft oder Geldstrafe – hätte ich mir schlimmer vorgestellt!). Wenn diese 500.000 im Kriegsfall nicht nur nicht schießen würden, sondern zivilen Ungehorsam zeigen würden, dann… wäre der Russe in Nullkommanix in Bonn gewesen. Haha, Nein, ich meine heutzutage: Wenn sich all die, die den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigert haben, den neuen Angriffskriegen der Bundeswehr entgegenstellen würden, dann gäbe es sie nicht. Aber Gottseidank gibt’s die Wehrpflicht ja nicht mehr. (Schade! Auch aus dem Grund! Aber das ist ein andres Thema.)

Bis morgen oder so,

JF

erklarung

populäre psychoanalytik: Alice Millers geschundene Kinder

Alice Miller (gestorben 2010) war anscheinend so eine Art Pop-Psychologin. Immens viele Bücher verkauft, z.B. eben dies „Das Drama des begabten Kindes“. Ist leicht zu verstehen, warum sie so gern gelesen wird: Sie erklärt dir nämlich, warum du dich nicht so gut fühlst, manchmal nicht ganz im Reinen mit dir bist, Schwierigkeiten hast, genau zu wissen, was gut für dich ist; schuld daran sind die, die dich erzogen, krummgezogen, haben. Aber keine Sorge, du musst deine Eltern nicht verfluchen, denn schuld ist die allgemeine Erziehungsmisere. Und du, lieber Leser, hast bloß besonders gelitten, weil du so begabt bist (siehe Buchtitel). hach, wer will das nicht gerne glauben!

Na vielleicht die nicht, die überzeugende Begründungen brauchen: Miller schreibt relativ direkt, von sich und ihren steilen Thesen äußerst überzeugt. Ihr Mittel der Überzeugung sind dabei ausschließlich Einzelschicksale, von denen sie viele Beispiele gibt: Personen, die ihr Briefe geschrieben haben oder die sie als Therapeutin kennengelernt hat, und die immer genau so weit beschrieben werden, wie es ihrer These gut tut. Mit Statistiken oder sich aufdrängenden Gegenargumenten hält sie sich nicht auf; gut so, denn das würde vielleicht ihre Leser verunsichern, und das wäre natürlich das letzte was diese liebe Dame, die sich selbst als „Kindheitsforscherin“ bezeichnet (nicht etwa Psychoanalytikerin, nein, ganz falsch; sie lehnt die ganze triebtheorie ab), wollen würde. Schaut sie euch doch an, da kann man ja nur leise „Omi!“ denken:

alice_miller_psychologist

Außerdem ist der Titel ja wirklich perfekt gewählt. Schön pathetisch: Es geht um unschuldige Kinder! Sogar begabte unschuldige Kinder! und dieses Drama, dieses Leben, diese Ungerechtigkeit in der Welt! Oh, Welt! Oh, Menschen! Eine Brust her, dass ich weine!

Ihre Thesen (und aus mehr besteht das Buch im Grunde nicht) sind gut bei Wikipedia zusammengefasst . Hier noch eine Kürzestfassung:

Eltern erziehen durch Liebesentzug(sdrohung) (z.B.: sei ein braves Kind! schreien ist böse! das hast du aber toll gemacht, dass du so lieb am Tisch sitzengeblieben bist (und nicht deinem eigentlichen Gefühl, rumzutollen, dich zu bewegen, nachgegeben hast, sondern lernst es Schritt für Schritt zu ignorieren) etc.) –> Kinder verleugnen nach und nach ihre eigentlichen Bedürfnisse –> Kinder bilden ein „falsches“ Selbst ( = Selbstkonzept) –> als Erwachsener haben diese Menschen dann keinen Zugang zu ihren eigentlichen Gefühlen und sind dadurch auch verschiedentlich dysfunktional (v.a. bzgl. der Erziehung der eigenen Kinder natürlich).

Ich habe mich ehrlich bemüht, ihre These durch Erinnerungen an meine eigene Kindheit für mich plausibel zu machen, aber ich kann mich einfach an nichts Relevantes erinnern.

Warum mach ich das Buch eigentlich so schlecht? Im Grunde finde ich die Hauptthese gar nicht so unplausibel: dass es Kindern, die durch das ständiges verbale Du-bist-O.K.-nur-wenn-du-lieb-bist-Spiel erzogen wurden, später schwerer fällt, sich an den eigenen Gefühlen (als an vorgebenen Normen) zu orientieren. Aber ich finde ihre Argumentationsweise einfach nicht überzeugend. Sie wiederholt hundertfach dasselbe (die mutmaßliche Verbindung zwischen Kindheit und Erwachsenenalter) aber begründet nie kleinschrittig oder sonstwie überzeugend. Die Stärke des Arguments liegt einzig in der Hand, bzw. den Gefühlen und Kindheitserinnerungen des geneigten Lesers.

Und noch ein letzter Gedanke: Meine eigene Bedürfnislosigkeit im Alltag und vor allem beim Reisen (also Verzicht auf besonderen Komfort), die ich teilweise sogar zelebriere, fast stolz bin darauf, mag herrühren vom elterlichen Lob, ein guter Junge ohne große Ansprüche, ein „einfaches Kind“, gewesen zu sein. Aber was ist so falsch daran? Ich fühle mich ja deshalb heute nicht schlecht, sondern brauche einfach weniger, um mich wohl zu fühlen. Die Frage ist halt, ob sich durch Komfortverneinung langfristig irgendwas anstaut, oder man einfach weniger ausgeglichen ist etc.

Wenn jemand was beisteuern will, gerne! Kommentare – wie sonst natürlich auch – erwünscht!

Gruß,

jf

After Hu, Who?, in: China into the future (Hoffmann/Enright 2008)

Interesting facts about China’s leaders, that is the „4th generation“ (Hu, Wen, etc.) und projections about the „5th generation“ (the current leaders).

– die Führungsriege wird normalerweise zu großen teilen ausgetauscht, weil generationenwechsel anscheinend erwünscht sind – ### aber warum? (ca. 10 Jahre Unterschied, rein ins Politbüro zwischen 55 und 60, raus zwischen 65 und 70 – ganz grob)

– die „vierte Generation“ (Hu, Wen, etc.) ist nicht softer als die dritte (Jiang, etc.), sondern eher konservativer: US-skeptisch, nicht zu politischen Reformexperimenten aufgelegt.

– es gab in der 4ten Generation zwei größere Gruppen im Politbüro (und allgemein wohl auch): die Populisten (viele davon aus der Jugendorganisation der Partei, z.B. Hu Jintao) und die Elitisten. Erstere wollen mehr Umverteilung, Sozialstaat, vor allem auch für die vernachlässigten, inneren Provinzen; ihre Expertise ist vor allem in Verwaltung, Parteiorganisation, Propaganda, Recht. Letztere (u.a. Shanghai-Gang, Prinzlinge) repräsentieren vor allem die Interessen der Küstenregionen und haben vornehmlich Expertise in Finanzen/Bankwesen und Außenhandel. Beide Fraktionen wollen Wirtschaftswachstum, Stabilität (inkl. unangefochtener KPCh-Herrschaft) und Nationalismus.

Werde hier noch ergänzen demnächst, vor allem zu den Vorhersagen zur 5ten Generation, und ob sie eingetroffen sind.

china-congress-hu-and-wen

Gibt es einen Schöpfer, der an uns interessiert ist? (Zeugen Jehovas, 1998)

„Paulus lagen nicht so viele wissenschaftliche Beweise für die Existenz eines Schöpfers vor wie uns heute“. Ach, so viele Beweise! Na dann mal her mit den Gottesbeweisen!

I) Was kann unser Leben sinnvoller machen?
– Gott natürlich! an ihn glauben! Weil es unserem Leben Sinn verleiht.Wie funktioniert das? Wie wird Sinn generiert? Weil es sinnvoll ist zu tun, was er sagt, denn er ist der Mittelpunkt der Schöpfung (S.186); deshalb „müssen wir unser Leben mit seinem Willen in Übereinstimmung bringen“ – ### oh mann.)

II und III)
Was ist der Ursprung des Universums und des Lebens? Gott hat es erschaffen.
Warum nicht der Urknall und die Evolution? Weil der Urknall mit nachfolgender Evolution nicht die Kompliziertheit des heutigen Lebens hervorgebracht hätten.
Beispiel Proteinsynthese: Es gäbe zu viele mögliche Kombinationen; es sei unwahrscheinlich, dass sich genau die funktionierenden, Leben-ermöglichenden herausgebildet hätten.

Hierfür nutzen die Autoren u.a. eines ihrer typischen, verqueren Argumente ‚aus der Autorität‘: Die Ansichten eines Sir Fred Hoyles werden wohl absichtlich falsch dargestellt: Die Panspermie-Theorie verteidigend äußerte dieser nämlich: „Statt die verschwindend geringe Wahrscheinlichkeit zu akzeptieren, das Leben sei durch blinde Naturkräfte aufgetreten, schien es besser zu sein, anzunehmen, dass der Ursprung des Lebens ein vorsätzlicher intellektueller Akt war.“(S.41) Die Autoren stellen es aber so dar, als wenn er hier den Kreationismus befürworten würde.
Außerdem zu kompliziert für Zufall: Proteinfaltung, DNA, (S.28-48) Immunsystem, Kreisläufe in der Natur (Nahrung, Wasser, Stickstoff, etc.) (S.78ff)

IV) Der Mensch ist einzigartig wegen seiner:
– Ästhetik
– Moral
– Fähigkeit, in die Zukunft zu denken / zu planen
Das mag ja alles sein, aber nun folgt scheinbar ohne logischen Zusammenhang das vierte Alleinstellungsmerkmal:
– das Bedürfnis an Gott zu glauben / „angeborenes Gottbewusstsein“ (S.71)
DENN 1. in der Geschichte waren alle Kulturen religiös (und es waren immer nur einzelen Atheisten dabei) – ## aber heute? (Wahrscheinlich würden sie sagen: heute sind die Menschen eben auf dem Irrweg! Durch postmoderne Verwirrung. Oder Satan!)
DENN 2. die Evolution (oder sonstige naturwissenschaftliche Theorie) bietet keine Erklärung dafür, dass der Mensch Selbstbewusstsein (daher Moral, Zukunftsplanung) erlangt hat.

V) Wunderwerke: Nichts Brauchbares (gleiches Argument wie in II und III)

VI) Ist die biblische Schöpfungsgeschichte wahr?
a) Sie entspreche in ihrem Ablauf grob den Erkenntnissen der heutigen Forschung. (Aber wo weicht sie ab???

### i. Geschichte geht erst los mit wasserbedeckter Erde (S.93).        ii. Dass die gesamte Schöpfung in sieben „Tagen“ passiert sein müsse laut Bibel, wird negiert, aber die Argumente scheinen fadenscheinig, denn warum sollte dann bsplw. immer dort stehen: „Es wurde Abend und es wurde Morgen“, wenn es sich nicht um Tage sondern um Zeitalter handeln soll).       iii. Alle Pflanzen entstanden vor den ersten Tieren). Dies wird alles gerettet durch folgenden Kniff: Gott wollte einem „einfachen Hirtenvolk“ also die geologische Entstehung der Erde erklären und sie nicht überfordern (S.101). Moses kann dies nur von Gott gewusst haben. (S.102)

b) Alle Menschen stammen von einem einzigen Paar ab (Newsweek 1988 „Die Suche nach Adam und Eva“, evtl ist dieser Artikel gemeint.)

VII)Wie ist Gott? (allwissend, liebevoll, etc.)

VIII) Geschichte des Volkes Israel (Nacherzählung des Alten Testaments) (S.120-143)

IX) Mini-Evangelium / Jesus-Biografie (S.144-165)
## Kurzer Exkurs: Evangelium heißt „frohe Botschaft“ und im biblischen Sinne meint es eine Beschreibung des Lebens (bzw. Wirkens) Jesu (also eine Biographie). Die ersten vier, heute noch erhaltenen Biografien über Jesus (eben Evangelien genannt) entstanden wahrscheinlich 30 bis 50 Jahre nach seinen Tod . Jesus-Biographien seien also relativ früh entstanden, zumindest im Vergleich zu seinen Zeitgenossen (Römer, Griechen, oder auch dem 600 Jahre später lebenden Mohammmed – stimmt das Letztere? Der Quran wurde doch schon teilweise zu Lebzeiten Mohammeds abgefasst. Steht da etwa nichts über Mohammeds Leben drin?).

War Jesus ein religiöser Hochstapler/Betrüger/Verwirrter? Nein, er war im Gegensatz zu vielen anderen vor ihm der wahre Messias (weil er die Vorhersagen/Bedingungen aus dem AT erfüllte, S. 145/155f, und neue machte, die eintrafen S. 153))

Kann er Gottes Sohn sein? Geist kann sich in Materie  verwandeln DENN Energie lässt sich in Masse umwandeln

Ist unbefleckte Empfängnis möglich? Ja, wie künstliche Befruchtung auch, S.146). Außerdem: Es gibt auch andere Dinge, die man nicht direkt wahrnehmen kann, und die nur über ihre Auswirkungen belegbar sind (schwarze Löcher, Neutronensterne); also ist die Existenz Gottes und Jesu möglich.

Warum musste Jesus sterben? Um die Erbsünde auszugleichen. (Sind wir dann jetzt komplett frei davon?)
Erbsünde einfach erklärt: wie ein Computervirus (ohne witz, S.156f.), den Adam und Eva sich zugezogen, und der dann millionenfach kopiert/weitergegeben wurde; aber Jesus ist das Antivirenprogramm, was den Virus getilgt hat.

(Eigenschaften von Jesus) tolerant: spricht mit Frauen auf der Straße, sogar über Religion, fürsorglich, heilende Kräfte, demütig anderen dienen, nicht hochmütig/stolz (Fußwaschung)

X) Warum so viel Leid?
Zur Prüfung der Menschen: „Werden die Menschen trotz Schwierigkeiten Jehova aus Liebe dienen?“ (S.174)
Theodizee rein durch Buch Hiob: Gott und Satan debattieren/wetten, ob die Menschen Gott lieben würden (= nicht verfluchen), wenn sie Leid (von ihm?) erführen. (S.173) Daraufhin lässt Satan Hiob seinen Besitz verlieren, alle seine Kinder sterben, und macht ihn auch noch todkrank. Hiob aber verflucht Gott nicht (Was heißt „verfluchen“ hier? Was für eine Auswirkung wurde einem Fluch damals zugeschrieben?), bekommt daraufhin von Gott ein Debriefing, all seinen Besitz (doppelt) zurück und noch mal 10 Kinder (ernsthaft. und natürlich 7 Söhne darunter, yeah! haha)
(Die Geschichte ist etwas wirr. Steht aber bei Wikipedia auch nicht viel aufschlussreicher. Dort wird der Akzent nicht auf Liebe zu Gott, sondern „Frömmigkeit“ gelegt, aber trotzdem: Ich komme mit meinem 80er-Jahre-Hirn irgendwie nicht hinter die alttestamentarische Schreibe und/oder Denkart.)

Die Seele stirbt (ist nicht unsterblich!). Und manche Auserwählte werden wieder aufgeweckt.

(Methodik) Oft Argumente aus der Autorität: Viele angesehene Persönlichkeiten (v.a. Naturwissenschaftler, aber auch Schriftsteller, Politiker, Intellektuelle) oder einfach Titelträger (Sir John Blabla, Professor Evans Bumms) werden mit ein, zwei Sätzen zitiert. Gerne auch mit der Einleitung „soll gesagt haben, dass“. Die Aussage ist meist, dass Religion, insbesondere das Christentum, wichtig/wahr/erfüllend ist, oder eine Beschreibung der Sinnlosigkeit des postmodernen nichtreligiösen Lebens.

Autoren erwähnen viele religionsskeptische Argumente, allerdings nur oberflächlich, sodass sie sie leicht konterkarieren können (strawman fallacy).

Oh, lucky Jim, / How I envy him. (Kingsley Amis)

Kingsley Amis‘ „Lucky Jim“ ist eine verdammt lustige Parodie des (englischen) redbrick College-Milieus, insbesondere der Professoren dort.

title-lucky-jim-1957

assorted insights from the book

1. being in love with sb

What does it mean to „be in love with sb.“? Let’s read a few line from p. 124:

‚You sound as if you’re in love with her.‘

‚Do you think so?‘ he said almost eagerly; […].

‚Yes. Your attitude measures up to the two requirements of love. You want to go to bed with her and can’t, and you don’t know her very well. Ignorance of the other person topped up with deprivation, Jim. You fit the formula all right, […]‘

Hahaha

lucky-jim-taxi

(above you see Christine, and Jim, the main character, making one of his funny faces (venting anger about boring, stuck-up or otherwise annoying people around him) in the 1957 movie „Lucky Jim“)

2. purposive social behavior

Here is how I imagine my social behavior to be like: I think my social interactions are mainly driven by norms and scripts. When I want something from somebody else, I usually ask the person directly. Yet „Lucky Jim“ has opened my eyes to the reality of manipulative social interactions. I know find it conceivable that some people often have plans on what they want the other person to do or think. It might sound like a truism to most people but for me it’s a revelation: Some people behave purposively when interacting with other people.

Additionally, the main character Jim is so ingenious about both courting the woman of his dreams and in concocting a „campaign“ against his rival that I can imagine what a pleasure it might be to live life as a sort of social „schemer“.

3. what a pleasure not to have a real boss

Once more, I am convinced that having a normal job which comes with a boss you have to listen to, flatter or at least not disgruntle, must be a huge pain in the neck. Jim does not like his boss and in his mind disagrees with him constantly – yet he never says a thing, always accepting all tasks (no matter how ridiculous or unfair they are) because his boss will decide on his further employment. How deforming this must be, character-changing even.

4. looks determine character

the two female characters in the book are to an extent the product of their looks, their genetic make-up. A girl with a pretty face is treated differently than one with a plain face.

Can’t find the exact passage right now. You should read the whole book anyways; it’s perfect fun.

4. the signs of sexual privilege

So the main character Jim, a would-be professor, is attending a dance/ball thing in the college, and is doing so with a female friend of his. There is some romantic attachment between the two, especially from her side. Yet they are neither in love nor do they sleep with each other. Here comes the scene:

„As he drifted off at Margaret’s side between the talking groups on one side and the mutes lining the walls on the other, he caught sight of Alfred Beesley [a colleague of his] standing miserably among the last-named. Beesley, notorious for his inability to get to know women, always came to functions of this sort, but since every woman here tonight had come with a partner (except for women like the sexagenarian Professor of Philosophy or the fifteen-stoen Senior Leturer in Economics9 he must know he was wasting his time. Dixon exchanged greetings with him, and fancied he caught a gleam of envy in Beesley’s eye. Dixon reflected firstly how inefficient a bar to wating one’s time was the knowledge that one was wasting it (and especiall in what Welch called ‚matters of the heart‘); secondly how narraw a gap there really was between Beesley’s status and his own in such matters; and thirdly how little there was to envy in what established him as on the far side of the gap from Beesley – the privileges of being able to speak to one woman and of being in the same party as another. But, fourthly, the possession of the signs of sexual privilege is the important thing, not the quality nor the enjoyment of them.“

Abgefahrene Ausdrücke

recorder – Blockflöte
the clattering of crockery and cutlery – das Klappern von Geschirr und Besteck
to overawe so – jdn einschüchtern, tief beeindrucken
a baying laugh – ein bellendes Lachen
resin – Harz
dumbfound – verblüffen, sprachlos machen
soak (slang) – schröpfen, abzocken
alienist – Irrenarzt
to inure – gewöhnen, abhärten, auch: in Kraft treten, v.a. zu jds Gunsten
to deface – verunstalten
statagem – (Kriegs)list
tawny hair – lohfarbenes Haar (goldrotbraun) („Lohe“ ist eine Flüssigkeit zum Gerben gewesen)
to clump – trampeln, hauen
a clump of … – Büschel, Klumpen von …
to genuflect – (nieder)knien
to scowl – düster dreinschauen
bakelite – Bakelit (Markenname. ?!)

tetrahedron – Tetraeder, Vierflach (sic)

blare – Geschmetter (Geheule, Gehupe)

Zum gleich Lernen hier nochmal im Satzzusammenhang:    😉

Perhaps Johns had decided to blockade the bedroom allotted to the defacer of his periodical.
„But their home policy … soak the rich … I mean …it is that, pure and simple, isn’t it?“
Then he clumped down the stairs, hung his coat on a hook, went into the dining-room, and genuflected in front of the fake eighteenth-century sideboard.
Though theoretically inured to that kind of activity (adultery), he found its close proximity disagreeable.
The amateur violinist, supported by the local composer, burst into some scurrying tunelessness or other.
This remark had the effect of dumbfounding its audience by the obviousness of its intention – namely, the intention of forcing them to talk.
He had to admit she looked at her best in the blue dressing-gown, her brown hair, tawny in places, loosed from its pins and rolls.

Welch produced his handkerchief, about to blow his nose. This was usually horrible, if only because it drew unwilling attention to Welch’s nose itself, a large, open-pored tetrahedron. But when the familiar miraculously-sustained blares beat against the walls and windows, Dixon hardly minded at all.
„Who’s your alienist?“ Dixon said, broadening his field of fire.
Margaret looked at him with lifted chin as if ready to reprove some indiscretion.
a baying laugh made all three turn round
There was no time to do anything at all except adopt the attitude of one waiting outside a bathroom, a stratagem vitiated to some extent by the raincoat he still wore.

China: Socio-Political Issues (Saich), in: China into the future (Hoffmann/Enright 2008)

Weil ich heute Ärger mit der Gasheizung hatte (ist undicht, mann mann mann), und deshalb keine Ruhe und Lust hatte zu lesen, und weil ich dann noch nachmittags bis jetzt (22.15!) meine Eltern begleitet habe zum Grillen bei alten Freunden, habe ich heute nur zwei Kapitel geschafft. – Fail!

Der Sammelband nutzt kaum Fußnoten, belegt nur wenig. Die Thesen der Kapitel sind sowieso meist gewöhnlich. Aber hin und wieder findet sich Interessantes, hier aus dem Kapitel „Socio-Political Issues“, in dem vor allem heutige und zukünftige Herausforderungen für die chines. Regierung beschrieben werden:

– die Chinesen mögen ihre Regierung: 86.1% sind „relativ zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ mit der Zentralregierung, aber diese hohen Zustimmungswerte nehmen ab, je weiter man auf die lokale Ebene geht (75% provincial, 52% county, 43,6% township). (S. 155). Angeblich ist das in OECD-style-Ländern umgekehrt. Hab ich noch nichts zu gefunden; könnte aber sein, oder?
-> der Populismus der Chinesen richtet sich also nicht gegen Eliten im Allgemeinen, sondern vor allem gegen die lokalen. Das macht insofern Sinn, als dass wüste Korruption von den Autoren vor allem auf den unteren Ebenen attestiert wird.

– Armut: 54% unter 2$/Tag (Indien: 86%)
90% der ländlichen Haushalte müssen Gesundheitsversorgung komplett privat bezahlen.

– Ungleichheit ist massiv angestiegen: Gini-Koeffizient von 0,33 auf 0,49!

– Deshalb jetzt Sozialstaatsideen: Daraus ergibt sich eine verrückte Reihenfolge der sozioökonomischen Systeme: Früher Kommunismus ->  dann Manchesterkapitalismus -> heute (bzw. morgen eventuell) Sozialstaat (-liche Initiativen in Bildung, Gesundheit, etc.)

– in manchen ländlichen Gegenden gibt es auf 100 vierjährige Mädchen 140 vierjährige Jungs. (S.143) – Millionen werden keine Familie gründen können -> Frustration -> Protestpotenzial und -> Prostitution -> HIV/Aids

– China ist noch unter-urbanisiert (S.143) (55%, in 20 Jahren 25% angestiegen!), steigt weiter an -> mehr Jobs/Wohnungen/Infrastruktur nötig

– Ein-Kind-Politik (Geburtenrate von 33 auf 12 pro 1000) führt zu baldiger Überalterung (S.141f) – im Jahr 2050 werden 48.5% über 60 Jahre sein.

– Proteste und Petitionen: Zehntausende pro Jahr. Die Logik bzw. Funktionsweise der Proteste ist interessant: Die Aufmerksamkeit der höheren Parteiebenen erregen, damit diese die untere Ebene anweist, den sozialen Frieden wiederherzustellen. (S.149f)

Morgen mehr Kapitel. Und hoffentlich den Gasheizungsdurchbruch. (Also, na ja.)

Jan Fabian